Außergewöhnliche Künstler schufen herausragende Werke

Internationales Bildhauersymposion in Damme beendet:

5 Werke

Sonntag, der 7. Juni 2009 war für Damme der Schlusspunkt eines ganz außergewöhnlichen Ereignisses: Mit der Vorstellung der Werke, die fünf internationale Bildhauer über vierzehn Tage in der Scheune Leiber für den Skulpturenpfad geschaffen hatten, endete ein Symposion der ungewöhnlichen Art, denn sowohl der finanzielle Umfang, das künstlerische Niveau wie auch der gesamte Sachaufwand waren enorm, um Damme dieses einzigartige Schauspiel bieten zu können.
Die Begeisterung des stellvertretenden Bürgermeisters Heinz Arkenberg drückte sich darüber in geradewegs überschwänglichen Worten aus, die er nicht nur den Kunstwerken, sondern ganz besonders dem Initiator und Organisator des Spektakulums Franz-Josef Nordhoff widmete, verbunden mit dem Dank an den Kunst- und Kulturkreis Damme, diese extremen Anstrengungen zum Vorteil des Stadtbildes auf sich genommen zu haben.
Franz-Josef Nordhoff gab anschließend einen Überblick über das Zustandekommen dieses Bildhauer-Symposions und zeigte dessen besonderen Möglichkeiten auf, die im intensiven Verfolgen des Schaffensprozesses lägen und Kunst „zum Anfassen“ sei. In Italienisch, der Umgangssprache unter den Bildhauern, bedankte sich Nordhoff bei den fünf Künstlern für den unkomplizierten Umgang und vor allem für ihre kaum zu bremsende Einsatzfreude.
Über 150 Kunstinteressierte würdigten den außergewöhnlichen Anlass durch ihr Erscheinen zur Finissage am Sonntag. Doch auch im Laufe der vergangenen vierzehn Tage hatten eine große Zahl Interessierte immer wieder den Künstlern über die Schultern gesehen, darunter auch manche Schulklassen, die teilweise sogar einen abgeschlagenen Marmor-Rest mit nach Hause nehmen durften.
Was war aus den aufwändig aus Carrara in Italien herbeigeschafften Marmor- und Travertin-Blöcken nun geworden? Wie hatten die fünf Bildhauer das vorgegebene Rahmenthema „Bewegung und Mobilität“ künstlerisch umgesetzt?
Der Mexikaner Carlos Monge schuf sehr heimatverbunden eine Art Kaktuspflanze, die zwar zunächst recht statisch wirkt, aber durch einen gewissen Drall ihre Dynamik erhält. Der Japaner Kenji Takahashi versah seinen spitz zulaufenden Tetraeder mit allerlei parallelen Wellen, die an einer Seite von einem Abbruch-Riss unterbrochen sind. Hier ist es nicht nur die Welle als Symbol der Mobilität, sondern entsteht ein zusätzlicher Effekt der Veränderung durch die tageszeitlich unterschiedliche Beleuchtung.
Der Italiener Giuseppe la Bruna schuf einen Thron, dessen Rückenlehne von einer massigen Figur gebildet wird. Bei dieser eher statisch anmutenden Skulptur liegt die Bewegung darin, dass der Betrachter aktiv und dazu aufgefordert wird, sich auf diesen Thron zu setzen, um sich auch innerlich zu verändern. Der Argentinier Jorge Romeo ließ eine in zwei Richtungen weisende Schemen-Figur entstehen, die ein Boot mit fünf Zacken – die fünf Sinne verdeutlichend – hochhält. Sie soll zur Wachsamkeit auffordern und hat einen politischen Verständnis-Hintergrund, denn Romeo ist ein politischer Flüchtling.
Schließlich war es der Deutsche Hans J. Müller, der eine Treppe herausarbeitete, auf deren oberster Stufe eine Figur steht. Hier ist die Bewegung als Aufstieg – in vielfachem Sinne deutbar – zu verstehen. Am Sonntag der Finissage boten die Bildhauer-Werke noch fast zwei Stunden lang Gesprächsstoff für die zahlreichen Besucher. Diesen Aspekt betonte Hans J. Müller, der für die Kunstschaffenden  sprach, mit den Worten: „Ein Künstler ist nicht dazu da, Rätsel zu lösen, sondern neue zu schaffen.“

 Finissage
Das galt nicht nur den Anwesenden bei der Finissage, sondern all denjenigen, die nicht am Schlusstag des Symposions dabei sein konnten – und das noch geraume Zeit. Denn einige der Werke sind zwar mittlerweile zunächst provisorisch im unmittelbaren Umfeld der Scheune Leiber zu sehen, doch sollen die fünf Skulpturen dann im Laufe der nächsten Monate ihren endgültigen Platz in der Dammer Innenstadt erhalten.

Wolfgang Friemerding

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